Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Distelhäuser Brauerei/Distelhausen: 26° (Nr. 1327)

Schlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand! Oh, Schlaaaaaaaaaaaaaaaand! Oh, Schlaaaand, oh Schlaaaand! Geil! Historisch! Nie mehr zu wiederholen und wer weiß was ich noch alles … Das und noch viel mehr kann man seit gestern überall hören und lesen. Wenn nicht sogar den eigentlich vollkommen hirnrissigen Superlativ der “besten Mannschaft aller Zeiten”. Aber wer weiß schon, welche Super-Mannschaften kommende Zeiten so mit sich bringen?
Es ist aber schon schwierig, sich von der grassierenden Schlaaaaaaaaaaaaaaaandeuphorie nicht anstecken zu lassen. WIR sind Weltmeister! Egal, ob wir zuvor noch skeptisch waren, den Bundestrainer wegen seiner Lahm-Entscheidung verteufelten und uns sowieso in der Vorrunde als Gruppenletzten sahen. Wir sind jetzt Weltmeister, wenigstens im Fußball! Denn in vielen anderen Bereichen sind wir schon längst nicht mehr an der Spitze. In Sachen Bier zum Beispiel gelten wir zwar noch als die führende Nation, aber bedeutende Impulse setzen mittlerweile andere Nationen. In dieser Beziehung wird gerne auf den Craftbier-Sektor verwiesen. Da holt Schlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand zwar auf, aber … naja.

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Aber ok., wie sähe denn ein “deutsches” Craftbier aus? Vielleicht so, wie das heutige Bier des Tages. Beim Distelhäuser 26° handelt es sich um einen Weizen-Eisbock … oder einen Eis-Weizenbock? Wie auch immer. Eben um die verschärfte Variante eines Weizenbocks mit satten 26 ° Plato. “Eisbock” bedeutet, dass der Wasseranteil im Starkbier “ausgefroren” wird. Dadurch erhöht sich der Extrakt- und Alkoholanteil. Auf satte 12,5 % Alkohol kommt das 26°. Bei so einem hohen Alkoholgehalt wird das mit der Schaumstabilität auch schon ein wenig schwierig.

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Aber so einen Weizen-Eisbock (oder Eis-Weiznbock) trinkt man ja auch nicht aus dem Weizenglas. Da wäre ein Cognacschwenker schon eher das passende Glas. oder ein Teku-Pokal. Darin fühlt sich das bernsteinfarbene Starkbier schön wohl. Da kommen auch die Malz- und Trockenfruchtnoten schön heraus. Und so ein Glas unterstützt die Aromenexplosion auf der Zunge: Malz. Rosinen, Trockenfüchte, Banane, Alkohol, Schwere …

Ist das noch Bier? Jein!

Klar, es wurde aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Also ist es Bier. Aber es hat geschmacklich mit dem, was der Franke so als Bier kennt, eher weniger denn mehr zu tun. Alleine das fast schon ölige Mundgefühl ließe einen auch an einen (zugegeben flüssigen) Likör denken. Die Aromen gleichen ein wenig denen von Sherry oder anderen Likörweinen. Dazu kommen aber deutliche Malzanteile, vor allem Röstaromen. Dafür ist die Bittere mit 22 Bittereinheiten recht zahm. Dafür kommt der Alkohol umso deutlicher, aber nicht störend! Sowas trinkt man anstelle von Cognac oder Port im Kaminzimmer am Ende eines gelungenen Abends in netter Gesellschaft. Ein Bier für besondere Anlässe. Allerdings befürchte ich, dass der Gewinn eines WM-Titels –so historisch er auch sein mag – nicht dazugehört. Denn beim Fußball wird in Sachen Bier auf andere Qualitäten Wert gelegt. So genial das Distelhäuser 26° auch sein mag – sein “Schlaaaaaaaaaaaaaaaaand-Faktor” ist eher gering!

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