Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Landwehr Bräu Reichelshofen: Rotfränkisch (Nr. 1308)

Mit dem Bier und der Werbung ist es ja so eine Sache. Früher war es recht einfach. Da reichte ein Satz wie “Trinkt mehr Bier!” – aus welchem Grund auch immer – und sei es auch nur, um die Landwirtschaft zu unterstützen. Heutzutage ist das dagegen ganz anders. Da werden ganze Erlebniswelten rund um den Gerstensaft ersonnen. Das richtige Bier zu trinken, bedeutet das richtige Lebensgefühl zu haben, jung, aktiv und fit und vor allem begehrt zu sein. Ich sage nur: “Lieber ‘arald, kannst du mir schicken eine Flasche von die Bier, die so schön ‘at geprickelt in mein Bauc’nabel?

Da könnte man als Franke schon ein wenig neidisch werden. Ich befürchte, mit Rauchbier bekommt man keine “heiße Französin” rum. Wobei, wer weiß? Wo wird denn sonst noch so hemmungslos geraucht außer in französischen Kinofilmen? Wenn aber kein Rauchbier, was dann?

 Rotfränkisch Rotbier

Wie wäre es mit einem Rotbier. Das ist ja eine der fränkischen Trendsorten schlechthin. Bei der Landwehr Bräu in Reichelshofen gibt es jetzt zum Beispiel auch eines, das sinnigerweise Rotfränkisch heißt. Ja, damit ließen sich “kleine Französinnen” sicher eher beeindrucken! “Olala, Cherie, möc’test du noch eine Flasche von die Bière Rouge die so funkelt wie ein rubis?” Ja, das könnte funktionieren. Das weckt Gefühle.

Landwehr Reichelshofen Rotfränkisch

Aber dieses Niveau überlässt man in Reichelshofen dankbarerweise den Fernsehbrauern. Beim Rotfränkisch setzt man dafür auf Heimatgefühl. Also mehr auf Bratwurst und Kraut zu kernigem Landbier als auf sexy Französinnen in heißen Dessous. Auch das Etikett ist ganz im Stile des Fränkischen Rechens gehalten. Sowas gefällt mir natürlich. Der schöne Rotton des Landwehr Rotfränkisch gefällt mir auch. Was mir auch sehr gefallen hat, ist das wahnsinnig malzige Bouquet. Da denkt man, man riecht in einen frisch geöffneten Mazsack rein! Gut, das wird vielleicht nicht jeder mögen, aber ich mag den Duft von Malz, was soll ich sagen. Ob da jetzt Melanoidinmalz oder ein anderes entsprechendes Farbmalz dafür verantwortlich ist, kann ich von der Nase alleine her nicht sagen. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass da eine ordentliche Schippe Melanoidin in dem Mix aus vier unterschiedlichen Gerstenmalzen drin ist. Denn vom Geschmack her hat es diesen leicht trockenen Malzton im Untergrund, sonst ist es aber recht süß. Da mag man gerne an Vorderwürze denken. Das ist nicht unbedingt das Schlechteste, schließlich können die trockenen Noten die Süße immer wieder ein wenig einbremsen. Allerdings muss man das auch mögen.

Landwehr Reichelshofen Rotfränkisch

Das mit der Süße ist übrigens gewollt so. Schließlich haben die Reichelshofener den Trend zu immer süßeren Produkten beobachtet und reagieren mit ihrem Rotfränkisch nun darauf. Auf nordbayern.de liest sich das dann wie folgt:

Nordbayern.de

Quelle: http://www.nordbayern.de/region/rothenburg-o-d-t/landwehr-brau-reichelshofen-prasentiert-das-rotfrankisch-1.3606959

Und weiter steht der schöne Satz, dass das Bier ein “Zugeständnis an die solcherlei ‘verzogenen’ Geschmacksknospen” sei.

Olala! Also doch das richtige Bier für kleine Französinnen? Wenn ich mir alleine schon vorstelle, wie “Melanoidin” mit französischem Akzent klingt?

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