Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Martinsbräu/Marktheidenfeld: Laurenzi Festbier (Nr. 1370)

Wenn man so übers Land fährt, dann könnten einem viele Zeichen einstmals gelebter Volksfrömmigkeit auffallen – tja, wenn man noch hinschauen würde. Aber irgendwie gehören die vielen Feldkreuze, Martern und Figuren zum Landschaftsbild dazu.
Wer beachtet denn noch die zahltreichen Figuren, die entweder am Anfang oder in der Mitte von alten Brücken thronen. Sie gehören einfach zum Bild einer alten Brücke dazu. Dass es sich dabei um den heiligen Nepomuk handelt, wissen schon nicht mehr alle. Und waru, er dort steht, wissen noch weniger. Dabei ist es in seinem Falle ganz einfach. Er wurde, weil er das Beichtgeheimnis schützen wollte, an einen Mühlstein gebunden von einer Brücke geworfen – und wurde so zum “Spezialisten” für das sichere Überqueren von Brücken. Ist ja auch logisch.

Laurentius
Nach dem gleichen Prinzip ist der heilige Laurentius einer der Schutzpatrone der Brauer – oder sagen wir: fast nach dem gleichen Prinzip. Denn mit Bier hat der heilige Laurentius eigentlich nichts am Hut. Zum Patron der Brauer wurde er durch sein Attribut. Der Legende nach soll Laurentius über offenem Feuer auf einen Rost gebunden sein worden. Und eben jener Rost erinnerte die Brauer wohl an ihre Maischescheite zum Rühren. Oder vielleicht fanden sie sich ihm durch das Hantieren mit offenem Feuer verbunden.
Für mich ist ein Laurenzi-Bier deshalb immer etwas Besonderes. Ob das die Brauer von der Martinsbräu aus Marktheidenfeld genauso sehen, weiß ich nicht. Das Laurenzi Festbier gibt es jedenfalls zur Laurenzi-Messe.

Laurenzi Festbier

Mit seinen 5,3 % steht das Laurenzi Festbier ordentlich im Futter. Optisch macht es auch keine schlechte Figur. Da liegt es so zwischen Altgold und Bernstein. Der Geruch ist schon mal deutlich getreidig. Auch vom Geschmack her ist es ebenfalls “gerstig”, aber nicht ubedingt “garstig”!

Martinsbräu Laurenzi festbier

Nein, ehrlich, dieses Festbier geht. Es zeigt ein wenig Hopfennoten, dazu diesen getreidigen Grundton, eher mehr Süße als Bittere … Nett sind noch die Brotaromen, die sich mit der Zeit aufbauen. Das sperrt sich für mich nicht. Da hatte ich schon im Festbierbereich Schlechteres in der Hand. Wollte man dem Bier etwas vorwerfen, dann wäre es, dass es doch recht süß ist. Da gibt es auch Bierfreunde, die es herber am Ende mögen. Aber das wäre dann auch das einzige …
Beschweren muss sich der heilige Laurentius da nicht unbedingt, auch wenn es ein wenig Luft nach oben gibt. Jetzt müssten nur noch alle Brauer so viele Laurenzi-Biere brauen, wie die Brückenbauer Nepomuk-Figuren aufgestellt haben.

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