Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Pax Bräu/Oberelsbach: Opal Pilsner (Nr. 1785)

Das heutige Bier des Tages schreibe ich ganz besonders für “meine Freunde” bei der Tucher. Nicht, dass ich da wirklich Freunde hätte, aber ich schimpfe ja ab und an darüber, dass man beim Nürnberg-Fürther Konzernbier zu viele Chancen ungenutzt lässt. Zumindest in meinen Augen. Da wäre zum Beispiel die “Kult-Marke” Lederer. Die ist in der Tucher-Gruppe ja für das Pils zuständig: unerbittlich herb, ungezähmt usw. Alles schön und gut, nur verschenkt man Potenzial. Was sich aus so einem “unerbittlichen Pils-Image” alles machen ließe?! Wie, ich spinne rum? Pils ist langweilig. Schmecken doch eh alle gleich? Mitnichten, hier kommt der Gegenbeweis!

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Der Gegenbeweis komtm natürlich nicht von einer Großbrauerei, sondern von einer kleinen “Kreativschmiede”. Das Pax Bräu Opal Pilsner. Ein Single-Hopped-Pilsner, bei dem – nach den Varianten mit Saphir und Smaragd – diesmal verschwenderisch viel Hopfen der Sorte Opal verwendet wurde. Der soll laut Hopfen der Welt Aromen aus den Bereichen Zitrus, Harz und Kräuter ins Bier zaubern. Klar, das ist kein klassischer Pils-Hopfen, aber ein wenig frischer Wind täte den deutschen Pilsnern gut. Das predige ich immer wieder, aber wer hört schon auf mich.

Opal Pilsner

Dass das Pax Bräu Opal Pilsner nicht klar ist, ist klar (Man verzeihe mir das Wortspiel). Filtration ist aufwändig, kostet viel Geld und wird von Craftbrauern – und die Pax Bräu ist da eine der ersten Adressen im Freistaat, ach was, im Land! – auch nicht erwartet. Was Geschmack macht, soll im Bier bleiben dürfen. Das würde man bei einem Brauerei-Konzern natürlich anders sehen. Aber es soll bei dem Bier nicht darum gehen. ob ein Pils nun unbedingt filtriert zu sein hat.

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Reden wir vielmehr über das massive Hopfenaroma! Leih mir a Mark!Das riecht schon massiv nach würzigem Hopfen! Sowas ist man von einem Pils gar nicht mehr gewohnt. Von einem Pils, das ja “unsere” hopfigste Sorte ist. Auch beim Geschmack möchte man das eine oder andere Fernseh- und Großbrauereien-Pils daneben stellen und sich schämen lassen, vor allem die, die mit ihrer norddeutschen Herbe werben. Knackige 45 Bittereinheiten hat einem das Opal Pilsner um die Ohren. Das ist im Craftbierbereich harmlos, als Pils aber ordentlich viel. Und ich finde, hintenheraus spürt man sie schon ganz schön – vor allem im Vergleich zu manchem Pale Ale oder IPA. Die dürfen ja auch mehr mit ihre Malzkörper die Bittere einfangen. Da hat es ein Pils schwerer, denn das Malz spielt hier eine untergeordnete Rolle. Die Hauptrolle spielt – TATAAAA!!!!!! – der Hopfen. Und der verbreitet in Fülle seine Aromen zwischen klassischem, grassigem Hopfen und Pinie, gepaart mit leichten Zitrusanklängen. Vielleicht zwischendrin auch ein wenig Frucht. Aber keine Angst, ein “Fruchtbier” ist das Opal Pilsner nicht. Da hat man beim “Dryhopping”, also dem Hopfenstopfen sicher nicht am Rohstoff gespart und so schmeckt es auch. Wie schön, dass es auch Pilsner gibt, die richtig nach Hopfen schmecken können!

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Auf ratebeer wird das Opal Pilsner häufiger als Mischung zwischen einem Pils und einem Pale Ale bezeichnet. Aber im Gegensatz zu einem Imperial Pilsner, das sowas wie ein untergäriges IPA mit fruchtigem Hopfen und viel Alkohol wäre, ist das Pax Bräu Opal Pilsner mit 4,8 % richtig … “zahm”. Wobei “zahm” natürlich das falsche Wort für ein massiv gehopftes Bier ist. Denn im Geschmack ist das Opal Pilsner eher ungezähmt. So ungezähmt, dass das Lederer-Krokodil daneben eher wie eine Handtasche wirkt.

Liebe “Freunde” bei Tucher,

holt euch doch mal eine Flasche Opal Pilsner und schaut euch das Bier an. Natürlich funktioniert das Konzept dieses Bieres nicht für eine Großbrauerei. Aber ein wenig Input könnte man aufnehmen. Ein Lederer Opal wäre doch mal eine Idee. Oder ein Lederer Pure (mit Hersbrucker Pure). Es gibt so viele Hopfensorten – hierzulande und rund um den Globus –, dass man sich auch in der Sparte Pils in Sachen Aroma von seinen Mitbewerbern absetzen kann. Und die meisten Hopfensorten sorgen mit ihrem Namen schon für das halbe Marketing. Klar, so ein Bier kostet natürlich auch mehr, aber ich denke, die Zeit wäre reif für ein cooles, wirklich wildes o,33er (oder auch 0,5er) Pils. Nur trauen müsste man sich …

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