Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Pyraser/Pyras: Angerwirts Weizen altfränkisch dunkel (N. 1668)

Auf einem “gesättigten” Biermarkt mit sich immer mehr angleichenden Produkten muss man neue Strategien “erfinden”, um Käufer auf sein Produkt aufmerksam zu machen. Da erzähle ich niemandem etwas Neues. Auch, dass Regionalisierung (des Images, nicht des Verkaufs) eine solche Strategie ist, ist nichts Neues. Warsteiner hatten vor ewigen Zeiten einmal damit angefangen und Chimseer oder Tegernseer sind vom Prinzip nichts anderes. Das hat man natürlich auch in Franken erkannt: Kulmbacher, Weismainer, Veldensteiner oder Pyraser sind Beispiele dafür, wie man das eigene Produkt über den Bezug zur Heimatstadt/Heimatregion “aufladen kann”.

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Bei den Pyrasern geht das ganze aber noch weiter. Da versteht man unter Regionalität und Authentizität durchaus mehr als nur den Namensbezug. Das ist mir erst grade wieder anhand des dunklen Angerwirts Weizens klar geworden. Das Angerwirts Weizen dunkel hat wie die anderen Pyraser Biere auch ein neues “Design” bekommen, bei dem Brauereimitarbeiter für die Charaktere auf den Etiketten “Modell standen”. Das ist schon mal ein cleverer Schachzug, schließlich fördert man so die Verbindung zwischen Mitarbeiter und Produkt. Klar, bei Großbrauereien “unterschreibt” der Brauer bzw. Brauereichef auch werbewirksam “jede Flasche”. Aber es ist nicht dasselbe, finde ich.

Weizen dunkel

Dann legt man großen Wert darauf, die regionalen (und “authentischen”) Rohstoffe zu betonen. In dem Fall geht es um das dunkle Weizenmalz. Etikett und Homepage betonen die Verwendung von 60 % dunklem Weizenmalz:

Zur Herstellung wird zu 60 Prozent das heute selten gewordene dunkle Weizenmalz eingebracht.

Weizen dunkel Auszug

Das alte Etikett (oben) war da sogar noch deutlicher. Da stand, dass viele andere dunkle Weizen eigentlich nur umgefärbte helle Weißbiere wären. Der Satz fehlt (leider!) auf den neuen Etiketten. Ob das daran lag, dass sich die Mitbewerber daran gestört haben, oder vielleicht an rechtlichen Gründen – wer weiß?  Vielleicht störte sich auch ein Verband an dem Begriff “Farbebier”, denn so soll man den legalen Farbstoff aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ja nicht nennen. Die Bezeichnung, die zu man verwenden sollte, ist Röstmalzbier. Nicht, dass jemand denkt, man dürfe Biere trotz Reinheitsgebot mit Farbstoffen versehen. So zu lesen auf der FAQ-Seite der Mälzerei Weyermann®.

Quelle: http://www.weyermann.de/ger/faq.asp?umenue=yes&idmenue=33&sprache=1

Das dunkle Angerwirts Weizen ist also nicht gefärbt, dafür trotzdem schön dunkel. Mit 5,3 % Alkohol ist es nicht zu stark. Im Aroma findet man dunkles Malz, Hefe und nataürlich auch Fruchtnoten. Der Geschmack ist auch erst mal typisch dunkel: Karamellaromen, Brotrinde, Röstmalz … vielleicht sogar ein Hauch von Schokolade ist da. Dazu kommt natürlich ein fruchtiges, reifes Bananenaroma und ein fast schon dazugehöriges weiches, sämiges Mundgefühl. Außerdem gibt es neben der Banane noch … tja, wie beschreibe ich es? Zur erwarteten Banane und der typischen Hefe kommen noch mehr Fruchtaromen, nicht dominant, sondern eher unterschwellig, ätherisch …

Homepage

Quelle: http://www.pyraser.de/produkte/Angerwirts-Weizen-Dunkel

Beim Blick auf die (neu gestaltete) Homepage fällt auf, dass man in Sachen Zutaten und Daten rund ums Bier recht informativ ist. 15 Bittereinheiten hat das Bier, 12,3 % Stammwürze und … als Hopfen Select (erwartet man) und Cascade! Das wäre für mich jetzt nicht gerade der Hopfen meiner Wahl für ein dunkles Weizen und so richtig kommt er auch nicht durch. Aber mal vorausgesetzt, da hat sich keiner verschrieben, wäre ein fruchtiger Hopfen bei einem Weizen durchaus sinnvoll, um das weizentypische Aroma noch ein wenig zu stützen und abzurunden.

Und weil ich vorhin schon beim Thema Regionalität sind. Unter dem Reiter Regionale Rohstoffe findet man noch einen weiteren interessanten Satz:

Damit wir unsere eigenen Qualitätsansprüche auch umsetzen können, arbeiten wir seit Jahren mit unseren beiden Hopfenbauern Willy Schneider aus Obersteinbach und Josef Schmidpeter aus Rudletzholz sehr eng zusammen.

Das ist doch mal was ganz anderes als der ominöse Bitburger Siegelhopfen usw. Da könnte man theoretisch vorbeifahren und sich den Hopfen noch auf dem Feld anschauen. So gesehen ist der Weg, den man bei den Pyrasern eingeschlagen hat, fast schon “wegweisend”. Ich fände es jedenfalls nicht schlecht, wenn sich die eine oder andere Brauerei da eine Scheibe von abschnitte …

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