Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Bayer/Theinheim: Knörzla (Nr. 1737)

Dialekt ist schon was geiles, oder? Vor allem das Fränkische, weil es eigentlich so etwas wie das Fränkische gar nicht gibt. Die Region Franken war im Mittelalter ja ein reicher Flickenteppich von Reichsstädten & -dörfern, Grafschaften, Fürstbistümern, Edelfreien, Fürsten und wer weiß was nicht sonst noch alles. Politische Grenzen allenorten. Dazu kommen noch die Mittelgebirgszüge als geographische Grenzen – und nach der Reformation auch noch die religösen. All das erschwerte Migrationsbewegungen, was zur Ausbildung einer kleinteiligen Dialektlandschaft führte. Nichtsdestotrotz gibt es im Fränkischen gemeinsame Elemente – zum Beispiel den Drang alles und jeden zu verniedlichen, indem man einen Deminuitiv (-la, -le, -li) anhängt. Das Kellerbier der Brauerei aus Theinheim heißt zum Beispiel Knörzla. Klingt urig-romantsich und ließe sich auch mit den beiden kernigen Holzfällern auf dem Etikett gut an Touristen verkaufen. Nur – was ist eigentlich ein Knörzla? Die meisten würden sagen: Das Endstück eine Brotlaibes heißt Knörzla – zumindest in einigen Teilen Frankens. Es gibt aber auch noch Köppla, Knäuschen, Ranftl, Scherzl, Gigele, Anschnitt, Aheuer, Brödeli, Mürggel … Je nachdem, wo man im deutschsprachigen Raum unterwegs ist und welche Quelle man zugrunde legt.

Knörzla 2

So weit so gut – nur was hat das Endstück des Brotes mit dem Kellerbier und den beiden Steigerwälder Holzbauern zu tun? Eine Brotzeit mit besagtem Lebensmittel findet sich nicht auf dem Etikett. da gibts nur zwei Männer, zwei Seidla, ein viel Steigerwald, eine Säge und einen Baumstumpf – und eben jener ist im süddeutschen Sprachraum (zu dem franken ja auch gehört) “a Knorz“. Im Fränkischen wird daraus das Knörzla, egal wie groß und verwachsen der Baumstumpf auch sein mag. Schließlich hat er am Ende doch verloren! War also doch kein Knorz, sondern im Endeffekt nur “a Knörzla”.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jetzt könnte man annehmen, so ein Knörzla Kellerbier müsste genauso knorrig und kantig sein wie so´ein Steigerwälder Baum. Dem ist aber nicht so – im gegenteil: Man ist fast überrascht, wie geschmeidig und süffig dieses Bier von Anfang an ist. Die Mischung aus Malz, Karamell und einer feinen Orangennote ist echt … verdammt süffig! Der malzfruchtige Charakter, die feine Hefe, die genau auf den Punkt gebrachte Herbe, die leichte Süße … das gefällt mir sogar besser als das Landbier. Das sehen zwar die Tester von ratebeer zum Beispiel anders, aber in Sachen Geschmack ist es wohl wie in Sachen Dialekt:

“Bloß a paar Kilometer weiter versteht dich keine Sau!”

So hatten es Saitenwynd in ihrem schönen Lied “fei” gesungen. Und so kann man das durchas stehen lassen. Prost!

Zur Zeit keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.