Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Gutmann/Titting: Weizenbock (Nr. 1480)

Heute wird’s – zwar ein wenig zu spät für einen Frühschoppen – ein klein wenig politisch: Genauer geht es um die Frage: Gehört Titting nun eher zu Franken oder zu Bayern? Das ist für den Rest der Republik wahrscheinlich “noch wurstiger als wurst”, weil alles, was irgendwie im Süden liegt entweder Lederhosenträger oder Schwabe ist. Für Nichtbayern sind wir Franken generell Bayern. Für Altbayern sind wir Franken dagegen “Zweite-Klasse-Bayern”, wenn überhaupt.

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Quelle: http://www.ariva.de/forum/Die-Franken-sind-die-Deppen-Bayerns-196448

Nun ist das mit dem Eichstätter Umland tatsächlich nicht so einfach. Alleine der Name, Titting, weißt mit seiner typischen Endung auf eine bajuwarische Besiedlung hin. Andererseits war Eichstätt seit 1500 Teil des fränkischen Reichskreises, also eben nicht bayerisch. Und gehörte Titting nicht bis 1972 nicht zum (dann aufgelösten) Landkreis Hiltpoltstein, also zu Mittelfranken? Und wurde es nicht erst danach oberbayerisch? Und schon bekommt der Franke das Gefühl, dass alles, was irgendwie schön anzusehen ist, von den “bösen Bayern” in Beschlag genommen wird. Politisch halt.

Gutmann Weizenbock 2

Dabei mischen sich dort die Kulturen. Man schaue nur mal auf das Etikett vom Gutmann Weizenbock. Der mutet mit seinem Rautenmuster im Hintergrund recht bayerisch an. Und doch steht dort “Weizenbock” und nicht “Weißbierbock” oder so ähnlich. Für den Rest der Welt mag das kein Unterschied sein. Aber in Altbayern sagt man eher Weißbier, in Franken dagegen eher Weizen. Das ist so ähnlich wie mit “Grüß Gott” im Süden und “Guten Tag” im Norden. Mit sowas kann man Stammtische einen ganzen Abend lang beschäftigen, auch wenn die Unterschiede verschwimmen. Vor allem, wenn sie den Gutmann Weizenbock dazu trinken. Denn der ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Erstens, weil es ein heller Weizenbock ist. Die meisten Vertreter, die ich kenne, sind dagegen dunkle Weizenböcke.

Gutmann Weizenbock 1

Und dann ist der Weizenbock interessant, wiel er so lecker ist! In der Nase hat man fruchtige Aromen wie nach Banane zum Beispiel, aber auch Malz und Hefe. Und trinkt man ihn, merkt man schon, dass man einen Bock mit satten 7,2 % vor sich hat. Für einen Weizenbock ist er sehr ausgewogen, nicht zu pappig süß, in seinen Fruchtaromen reif, die Nelkenaromen geben sich moderat … die Hefe ist fein, der Charakter gar nicht so schwer. Doch, unter den hellen Weizenböcken ist das sicherlich einer der besten. Spontan fiele mir nur der Starke Ritter Weizenbock der Ritter St. Georgen Bräu aus Nennslingen ein, den ich noch “besser”, weil schwerer und bananiger, fand. Aber das ist mein persönlicher Geschmack. Naja … und der Weiherer, aber der ist was ganz anderes!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWie die Brauerei Gutmann übrigens die Sache mit den Franken und den Bayern sieht, weiß ich nicht. Wahrscheinlich pragmatisch: Man geht aufs Fränkische Bierfest genauso wie auf bayerische. Aber immerhin gab es auf der Homepage mal ein Frankenquiz. Also gehört sie doch zu Franken. Das beschließe ich hier einfach mal via Dekret. Interessiert im Rest der Republik eh keinen …

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