Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Mager/Pottenstein: Pils (Nr. 1265)

Gestern hatte ich ja darüber geschrieben, wie sehr die eigene Erwartungshaltung die Sicht auf ein (zu testendes) Bier beeinflussen kann. Damit ist es aber nicht getan. Denn auch “das Image” einer Brauerei beeiflusst einen Biertest. Und ich rede jetzt z. B. nicht vom Negativ-Image von Billig- oder Massenbrauereien. Auch andersrum funktioniert das. Von einer kleinen Landbrauerei in der Fränkischen Schweiz erwarte ich zum Beispiel grundsolide, rustikale und vor allem gemütliche Biere: Ein dunkles Landbier zum Beispiel, ein Keller und natürlich auch einen Bock.

Mager Pils 2

Was ich aber nicht unbedingt erwarte, ist ein Pils. Eigentlich schon komisch, schließlich liegt der Anteil dieser Sorte bei 55 % des gesamten Bierausstoßes in der Republik. Das weiß zumindest der Deutsche Brauerbund über das Pils zu berichten. Und trotzdem – ich hatte ja schon darüber berichtet – ist in Franken ein Pils ab und an “eine Innovation”. Seit wann es das Pils der Brauerei Mager in Pottenstein schon gibt, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Da hätte ich in der Brauerei anrufen müssen, um zu fragen. Das habe ich mir aber gespart. Bisher ist mir das Pils aber noch nie aufgefallen. Was nicht am Pils liegt, sondern nur an meiner Erwartungshaltung. Wie gesagt, in der Fränkischen Schweiz erwarte ich eher dunklere Biere.

Mager Pils

Was erwarte ich nun von einem Pils aus der Fränkischen Schweiz? Eigentlich erst mal nicht so viel. Schließlich liegt die Kernkompetenz da in der Regel woanders. Umso überraschender war das Pils von der Brauerei Mager. Die Homepage – in Pottenstein darf man eine Homepage erwarten, sonst ist das in der Fränkischen auch nicht unbedingt Standard – berichtet vom “Einsatz von ausgesuchten Aromahopfen” und verspricht eine “edle Hopfenblume“. “Jaja, denkt man sich, kennt man …” Und ist dann doch überrascht. Nicht davon, dass das Pils ganz leicht opalisierend im Glas lag. Schon eher von der Schaumkrone, denn die stand bei meinem Pils besser als steif geschlagener Eischnee. Ohne Witz, als leidenschaftlicher Zuckerbäcker weiß ich, wovon ich spreche. Die Nase nahm, war der Schaum erst mal so weit weggetrunken, dass sich die Aromen richtig schön erschnuppern ließen, einen tiefen Zug Citrusaromen. Aber hallo! Das, zusammen mit der phänomenalen Schaumkrone, hatte ich nicht so erwartet. Auch geschmacklich kommen deutliche Blumen- und Citrusaromen durch. Dass die Herbe da nicht hinterherkommt, war ja fast schon klar. Wir reden ja hier von einem fränkischen Pils. Herbe und Würze schwingen leicht zwischen Hollerblüte und Citrusherbe hin und her. Nach hintenraus wird das fast schon ein wenig extrem. Da kann ein Hopfenaroma auch leicht mal ein wenig “seifig” wirken. Da ist aber jemand der Aromahopfen bei der letzten Hopfengabe ausgerutscht. Oder schmeckt das immer so? Bewertungen bei 1000getränke.de bzw. ratebeer.com ergeben ein uneinheitliches Bild.

Das allerdings lasse ich mir bei einer fränkischen Land-Brauerei wieder eingehen! Wenn es keine Unterschiede zwischen einzelnen Suden gibt, dann hat das hierzulande bisweilen den Ruch der industriellen Fertigung. Und der Satz “Diesmal ist das Pils aber besonders gut” wird bei uns gerne als Ausdruck handwerklichen Schaffens verstanden. Auch sowas sollte  man bei der Bewertung fränkischer Biere im Hinterkopf haben.

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