Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Nothhaft/Marktredwitz: Aloisius Dunkel (Nr. 1621)

Jeden Tag ein neuer Biertest. jeden Tag eine neue Story. Aber immer aus Franken. So steht es über diesem Blog. Das ist der “große Plan”, der hinter diesem Projekt steckt. Das führt zwangsläufig dazu, dass man sich mit den Brauereien udn den Bieren den Kulturraum Franken genauer anschaut – zumal der sich manchmal gar nicht so einfach definieren lässt, so uneinheitlich er sich in der Regel zeigt. Einfacher ist es da schon, das zu definieren, was im Freistaat nicht fränkisch i st, nämlich Bayern. Also Baiern. Oder Altbayern … Wikipedia definiert Altbayern ganz einfach als “Altbayern (oft auch Baiern) umfasst die drei ältesten Landesteile des Freistaates Bayern, die früher Bestandteile des Kurfürstentums Bayern waren. Gleichzeitig ist der Begriff die Bezeichnung für die Bewohner dieses Gebietes, die in der kulturellen Tradition des mittelalterlichen Stamms der Bajuwaren stehen. Altbayern umfasst damit die Gegenden des Freistaats, in denen die Bairische Mundart beheimatet ist.”

Aloisius 1

 

Wenn ich über die Gebietsgrenzen von Franken und Bayern (oder Baiern, das “Y” verdanken die Bajuwaren ja erst ihrem König Ludwig I) philosophiere, dann nur, weil ein Bier Grund dafür ist. Im heutigen Falle das Aloisius Dunkel der Brauerei Nothaft aus dem oberfränkischen Marktredwitz, gleich neben der Grenze zur Oberpfalz. Auf dessen Etikett steht nämlich “Altbayer. Bierspezialität”. In Solchen Momenten recherchiere ich dann ein wenig, ob Marktredwitz vielleicht irgendwie früher mal altbayerisch war. Könnte ja sein. Immerhin liegt die Oberpfalz gleich nebenan und die gehört zumindest teilweise ja zu Altbayern. Historisch war Marktredwitz mal Teil des fränkischen Ritterkreises, wenige Jahre lang klösterlich Waldsassisch und gehörte die meiste Zeit zur freien Reichsstadt Eger, heute Cheb. Baierisch ist das nicht.

 

Aber vielleicht bezieht sich das “altbayer.” auch nur auf den Biertyp. So ein sattes Dunkles wird ja oft auch Bayerisches Dunkles, Bayerisches Märzen oder auch Bayerisches bzw. Münchner Export genannt. Als Grund für die dunklen Biere im Süden nennt die Seite besser-bier-brauen: “Ursache für diese Effekte war die seit jeher außerordentlich hohe Karbonathärte des Münchner Wassers. Sie schafft eine besonders für helle Malze ungünstigere biochemische Umgebung während des Maischens und steht auch mit den beim Hopfenkochen entstehenden Stoffen auf Kriegsfuß. Dunklere Malzsorten hingegen kompensieren die speziellen Maischprobleme weitgehend und da die klassische Münchner Brauart zudem auch weniger Hopfen einsetzte, schmeckte die bewährte Art erheblich besser als helle Versuche.” Nun ist es aber nicht so, dass nur in Baiern oder Altbayern dunkle Biere gebraut wurden. Dunklere Biere oder auch Märzen oder Dunkle Export sind auch für große Teile der Fränkischen schweiz charakteristisch.

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Sei es wie es mag, das Aloisius Dunkel aus Oberfranken will partout altbayer. sein. Und das heißt eben auch dunkel, sehr dunkel. Die 4,9 % sind für ein dunkles Märzen oder Export fast ein wenig zu leicht. Aber sonst ist das Bier jetzt nicht schlecht: Das dunkle Malz dominiert den Trunk mit seinen Aromen nach Trockenfrüchten, dunkler Schokolade und Schwarzbrot. Dazu kommt ein wenig Süße, aber ins Pappige driftet das Bier Gottlob nicht ab. Eigentlich könnte es für meinen Geschmack noch ein wenig voluminöser und schwerer sein. Was es geschmacklich jetzt besonders altbayer. macht, kann ich nicht sagen. Da ist es im Endeffekt ein dunkles Lager wie andere In Franken auch. Nicht schlechter, aber auch nicht großartig anders.

Aloisius 2Laut Homepage ging es wohl vor allem um den Namen und das dazugehörige “Lluja, sog I!“. Das zieht schon ein wenig. Schließlich hat auch die Crailsheimer Biermanufaktur Engel ein dunkles Aloisius in ihrem Programm. Oder man versucht, dem “bayerischen Kulturimperialismus” etwas Positives abzugewinnen? Wenn “die da unten” meinen, Lederhosen, Dirndlauslagen und Sepplhüte im ganzen Freistaat verbreiten zu müssen, könnte man ja “mitspielen” und den Touristen im Fichtelgebirge selbstgebrautes, altbayer. Bier vorsetzen. Oder geht es um den “Bayern-Bier”-Trend, wie zum Beispiel  bei der Mönchshof mit dem Bayerisch Hell und auch bei anderen Brauereien

Meinetwegen hätte es das Adjektiv “altbayer. nicht gebraucht!
Lluja, Sackelzement, Kreuzdunnerkeil!

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