Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Braumanufaktur Weyermann®/Bamberg: Anna’s Minzweizen (Nr. 1620)

Heute geht’s – typisch für einen Sonntag – mal wieder um ein Frühschoppen-Thema. Was in meinem Fall heißt, es geht um ein Weizen. Und irgendwie geht es auch wieder um den Bayerischen Brauerbund und seinen Reinheitsgebotsfetischismus. Denn nirgends kann so viele Zutaten bei einem bayerischen Bier aufgelistet finden, wie bei Weizenbieren und deren alkoholfreien Geschwistern. Den Spitzenplatz nimmt da in meiner (unrepräsentativen) eigenen Statistik nimmt da das Hofmühl Weissbier Alkoholfrei ein. Ganze ACHT Zutaten listet das Etikett auf: Neben Wasser und zwei Malzsorten noch den Farbstoff Röstmalzbier, Hopfen und dazu auch noch Hopfenextrakt, natürlich Hefe und zur Verbesserung der Rezenz auch noch zugesetzte Gärungskohlensäure.

Hofmühl

Alles laut Etikett streng nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut. Und deshalb steht ganz selbstverständlich Bier auf dem Etikett. Auf dem Etikett des heutigen Bieres darf das ebenso natürlich nicht stehen. Denn obwohl Anna’s Minzweizen der Braumanufaktur Weyermann® mit nur sechs Zutaten viel ursprünglicher als das Hofmühl Weissbier alkoholfrei ist, darf es sich nicht Bier nennen. Das verstehe, wer will. Das mit Farbstoffen und Extrakten “geschönte” und mit Gas “künstlich spritzig” gemachte Bier darf sich Bier nennen. Das Bier, bei dem Farbe, Aroma und Spritzigkeit alleine aus den verwendeten, natürlichen Zutaten stammen, ist ein alkoholhaltiges Malzgetränk – mit Pfefferminze!

AnnasMinzweizen

Tja, und da liegt der Hase im Pfeffer(minz) sozusagen. Während man großzügig das 1516 ausgeschlossene Weizenmalz in das Reinheitsgebot integriert hat, hat man Gewürze – die vor und nach 1516 selbstverständlich benutzt wurden – kategorisch ausgeschlossen. Schließlich seien ja noch nicht alle Geschmacksvarianten durch die erlaubten Zutaten durchexerziert worden. Da braucht es keine weiteren Experimente. Sagt der Brauerbund. Und Basta! Die 250 Gramm Annanasminz-Blätter, die pro Hektoliter im Whirlpool vorgelegt wurden, machen aus diesem Bier eben eine Art Bier zweiter Klasse. Wenn überhaupt. Schließlich ist so ein Bier unrein!

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Wozu aber überhaupt ein Minzweizen? Schmeckt das überhaupt? Was macht man damit? Wozu kann man es trinken? Im Falle eines Minzweizens ist das tatsächlich keine einfache Frage. Ein “Minz-Pils” könnte man sich vielleicht eher vorstellen. So eines wie die berühmten Fischermänner-Bonbons: schlank, spritzig, wahnsinnig minzfrisch und mit einer richtig knackigen Bittere hintennach … Aber ein Minzweizen? Vor allem eines, das wirklich nach Minze schmeckt? Vom Anfang an hat man dieses Minzaroma im Mund. Nicht übertrieben, aber eben präsent. Das macht das bernsteinfarbene Bier mit seinen 4,9 % speziell, sehr speziell. Der Körper ist ansprechend voll, wie bei einem Weizen üblich, die fruchtugen Noten treten ein wenig in den Hintergrund, denn da ist dieses “Gletschereis-Feeling”. Das macht das Bier nicht unbedingt einfach, was man an den Bewertungen bei ratebeer sehen kann. Von Zahnpaste bis Hustensaft reichen dei Assoziationen. Dabei  kann man es sich auch als nettes Sommerbier vorstellen: spritzig, frisch und vor allem “anders”. Oder aber …

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… und jetzt kommen wir jetzt zum Frühschoppen als Bier vor 12 Uhr.  Denn die gerne als typisch bayerisch angesehene und dementsprechend vom Bayerischen Brauerbund immer wieder hervorgehobene Lebensart des Biers vor dem Mittagessen stößt bundesweit gesehen eher auf Ablehnung als auf Zustimmung. Wer am Morgen schon nach Bier riecht, bei dem “riecht” so mancher Zeitgenosse gleich sozialen Abstieg und Alkoholmissbrauch. Wer aber als letztes Bier Anna’s Minzweizen trinkt, der geht mit frischem Atem aus dem Frühschoppen. Und alle sind glücklich. Eigentlich müsste der BBB Anna’s Minzweizen dafür lieben.

P.S.: Was es mit dem Namen auf sich hat, erklärt Gerhard Schoolmann in seinem Blog: “Was hat der Name “Anna’s Minzweizen” zu bedeuten? Der Name spielt an auf die verwendete Ananasminze. Sie hat eine frische, kopfige Duftnote, die angeblich dezent auch nach Ananas schmeckt. Der Name ist aber auch ein Dankeschön an Anna Niedermaier (Blumenmeisterei Anna Niedermaier in Bamberg), die die Idee zu einem Minzbier hatte und von dem Ergebnis total begeistert ist.”

 

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