Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Roth/Schweinfurt: Schwarzes Weißbier (Nr. 1619)

so, jetzt habe ich mich wieder an einem Thema festgefressen. Tut mir leid. Aber das mit den Weizen-Etiketten lässt mich gerade nicht los. Da schaue ich mir also die Etiketten der Weizenbiere, die ich so in den letzten Tagen getestet und über die ich noch nicht geschrieben hatte, an und werde doch gleich beim nächsten stutzig …

Schwarzes Weißbier

 

Da habe ich also das Schwarze Weissbier der Brauerei Roth aus Schweinfurt vor mir stehen. Schaut man sich dessen Etikett an, ist erst mal positiv zu bemerken, dass da nichts von “1516” steht. Dass das Blödsinn (wenn nicht sogar Verbrauchertäuschung) wäre, habe ich ja schon gestern erklärt. Dass auf dem Etikett dagegen “gebraut nach dem Reinheitsgebot” steht, ist in Ordnung. Wenn es auch nicht aussagt, nach welchem. Denn dass es da in Deutschland “mehrere” gibt, ist auch wieder so eine Sache. Auch darüber will ich heute nicht weiter nachdenken. Mir geht es heute um die Zutaten des Weißbiers.

Schwarzes Weißbier Zutaten

Da steht doch tatsächlich “Kohlensäure“. Die entsteht beim Gärprozess, keine Frage – und ist genau deshalb keine “Zutat”. Zur Zutat wird Kohlensäure erst, wenn man sie während des Produktionsprozesses aus welchen Gründen auch immer dem Bier zugibt. Und wir reden hier nicht darüber, dass Kohlensäure als Treibmittel benutzt wird, um das Bier durch Leitungen von A nach B zu bewegen.

Zusatzstoffe

Jetzt ist es aber so, dass das mit der Zugabe von Kohlensäure nicht so einfach ist. Ein mit dem Reinheitsgebot ausgelobtes Bier darf nämlich nur Gärungskohlensäure aus der Bierbereitung verwendet werden. Das steht so in § 5 Verordnung über die Zulassung von Zusatzstoffen zu Lebensmitteln zu technologischen Zwecken (Zusatzstoff-Zulassungsverordnung – ZZulV). Und die muss dann auch als Gärungskohlensäure deklariert werden. So steht es zumindest im Vorlesungsskript über Die Kennzeichnung von Bier/Lebensmittelrechtliche Verpflichtungen bei der Etikettengestaltung vom Forschungszentrum Weihenstephan. Und da muss man es doch wissen, oder? Spricht man den Bayerischen Brauerbund darauf an, antwortet der so:

Twitter

Das widerspricht sich jetzt für mich. Die Verwendung von jeglicher Form von Kohlensäure ist verboten – außer der Gärungskohlensäure. Und die muss eigentlich auch so deklariert werden. Dem bayerischen Brauerbund ist das aber scheinbar egal, weil ja sowieso Gärungskohlensäure drin sein wird, egal, was drauf steht … Dass der Verbraucher diese Unterschiede aber nicht erkennen kann, ist dem BBB dabei wohl egal. Und dass man auf der einen Seite mit Argusaugen darüber wacht, was die Craftbier-Szene so treibt, während man auf der anderen seite “die Zügel schleifen lässt”, will sich mir auch nicht erschließen. Ich würde sagen, dass in dem Fall das Bier nicht richtig deklariert ist. Aber was verstehe ich schon von Bier …

Roth Schwarzes Weißbier 1

Also bleibe ich bei dem, was ich zumindest ein wenig kann, nämlich der sensorischen Beschreibung von besagtem schwarzen Weißbier der Brauerei Roth aus Schweinfurt. Das ist mal ein so richtig dunkles Weizen. Aber wie gesagt, über die Farbe will ich mich erst mal gar nicht auslassen, das mache ich demnächst. Dass es mit 5,4 % Alkohol ein wenig stärker als viel helle Weizen ist, tut auch nicht viel zur Sache. Es befeuert nur den Mythos, dass dunkle Biere generell stärker seien. Wobei das nichts mit der Farbe zu tun hat. Aber vielleicht braut so manche Brauerei ihr dunkles Bier stärker ein, weil sie glaubt, der Kunde erwarte das so? Da würde sich der Kreis wieder schließen …

In der Nase hat man beim schwarzen Weißbier der Brauerei Roth ein wenig Banane und dunkle Hefe. Geschmacklich ist das Bier ganz in Ordnung, zumindest so die ersten zwei Dritttel des Trunks. Da gefällt es mir sogar, die dunklen Malznoten, fruchtige Aromen, das Malz, ein wenig Karamell, Banane, auch ein wenig Nelkenwürze … das gefällt mir wirklich. Aber dann wird’s für meinen Geschmack ein wenig kohlensauer. Oder spielt mir da meine Wahrnehmung einen Streich, weil ich ja vorher das mit der Kohlensäure gelesen habe? Also halten wir fest: Geschmacklich kein schlechtes dunkles Weizen! Aber das mit der Kohlensäure als Zutat stößt mir trotzdem sauer auf …

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