Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Wiethaler/Neunhof: Edelpils (Nr. 1313)

Heute starte ich mal mit einem schnuckeligen 0,33er Pils in die Woche. Zum einen, weil mir grade zum Deutschland-Algerien-Spiel bei der WM kein passendes fränkisches Bier einfällt, und zum anderen, weil es am Wochenende “ein Skandälchen” in Sachen Pils gab. Wie, das habt ihr nicht mitbekommen? Na, dann seid ihr scheinbar keine eifrigen Bildzeitungsleser! Denn die Bild deckte auf, dass unser geliebtes Pils in der Schweiz illegal ist! Stell sich das mal einer vor!

Bild Pils

Quelle: http://www.bild.de/geld/wirtschaft/schweiz/verkaufsverbot-fuer-biersorten-pilsener-36570816.bild.html

Und an der Sache ist was dran. Denn es gibt einen Staatsvertrag zwischen der Schweiz und der damaligen Tschecheslowakei (und wahrscheinlich auch der Tschechischen Republik als deren Rechtsnachfolgerin in dem Fall), der den Verkauf von Produkten mit bestimmten regionalen Angaben regelt. Der Inhalt lässt sich kurz zusammenfassen: Pilsner Bier (und alle verwandten Bezeichnungen) werden darin als regionale Herkunftsbezeichnung verstanden und dürfen in der Schweiz nicht verwendet werden. Im Gegensatz dazu verzichten die Tschechen darauf, Emmentaler Käse anzubieten, es sei denn natürlich, er stammt tatsächlich aus dem Emmental. Besagter Staatsvertrag stammt aus dem Jahr 1976 und führte dazu, dass die Schweizer ihr Pils halt “Spezial” nennen und die Tschechen irgendwie anders. So weit, so gut – und zumindest mir auch bekannt. Eigentlich wäre das kein Grund, so ein Fass aufzumachen. Nun soll es aber vor kurzem so gewesen, dass im Züricher Filiale von Drinks of the World Unmengen von Pils-Flaschen gesichtet wurden, was dazu führte, dass die Züricher Lebensmittelkontrolle einschreiten musste. Das Ende vom Lied: Die Schweizer schwärzten die Bezeichnung Pils auf allen Flaschen …

Quelle: https://de-de.facebook.com/pages/Drinks-of-the-World/200346156710433

Quelle: https://de-de.facebook.com/pages/Drinks-of-the-World/200346156710433

 

Da fragt man sich natürlich schon, ob die “noch alle Flaschen im Regal” haben.  Schließlich gibt es wirklich Wichtigeres in der Welt. Aber bei Herkunftsbezeichnungen werden Lebensmittelkontrolleure wirklich schnell “dünnhäutig”. Und nicht nur die. Der bayerische Brauerbund geht ja auch gerne mal gegen Bier vor, die ihm nicht “bayerisch” genug vorkommen. Das hatte unlängst Christian-Hans Müller erfahren müssen, dessen Bayrisch Nizza dem Brauerbund zu unbayerisch war.

Quelle: http://www.sommelierbier.de/downloads/PM_BayerischNizza_Brauerbund_mitDatum.pdf

Quelle: http://www.sommelierbier.de/downloads/PM_BayerischNizza_Brauerbund_mitDatum.pdf

Erfolgreich war man dagegen im Rechtsstreit gegen die holländische Bavaria-Brauerei in Lishout. Die muss in Deutschland ihre Bavaria-Biere vom Markt nehmen. Oder die Etiketten diesbezüglich wie die Schweizer schwärzen …

Quelle: http://www.bayrisch-bier.de/2013/11/bundesgerichtshof-hollandische-bavaria-brauerei-muss-marke-bavaria-in-deutschland-loschen/

Quelle: http://www.bayrisch-bier.de/2013/11/bundesgerichtshof-hollandische-bavaria-brauerei-muss-marke-bavaria-in-deutschland-loschen/

Aber solche “Mätzla” sind uns in Franken Wurst! Wir behelligen keine Schweizer, wenn sie mit ihren “geliebten Fränkli” in die Fränkische Schweiz kommen. Und wir kredenzen ihnen auch gerne mal ein Pils, wenn sie denn ein für sie so exotisches Bier mal bestellen wollen. Für Tschechen gilt das übrigens auch. Im Gegenzug möchten wir aber auch nicht behelligt werden, wenn das, was bei uns als Pils in Flasche oder Glas kommt, nicht unbedingt dem entspricht, was man sich so unter einem Pils vorstellt. Nehmen wir zum Beispiel mal das Wiethaler Edelpils aus Neunhof bei Lauf an der Pegnitz.

Wiethaler Edelpils 2

Natürlich ist das ein Pils – das zeigt alleine schon die klargelbe Optik mit der schönen Schaumkrone. Aber wer einen schlanken Körper mit deutlicher Bittere erwartet, der wird sich enttäuscht sehen … zum Glück enttäuscht sehen! Denn das Bier mit seinem halbtrockenem Charakter und seiner feinen Citrusnote ist halt ein fränkisches Pils. Soll heißen: Es ist ein wenig anders. Da wäre zum Beispiel der angenehm süßlich-malzfruchtige Start, der erwähnte halbtrockene Körper und eigentlich erst zum Ende hin wird es herber bzw. pilsiger.

Wiethaler Edelpils

 

Was ihm aber nun an “typischem” Pils-Charakter, so wie man es von den Fernsehbieren gewohnt ist, fehlt, macht es auf der anderen Seite mit Sympathie und Süffigkeit wett. Also, liebe Schweizer, grämt euch nicht, dass Warsteiner & Co. bei euch illegal sind. Solche Biere “lohnen sich eh nicht”! Kommt lieber zu uns und probiert mal ein Wiethaler Edelpils. Oder für euch ein “Edel-Spezial” … Wobei bei uns in manchen Gegenden von Mittelfranken und dem Hohenloher Land “Spezial” eine eigene “Sorte” ist.

P.S.: Im Übrigen bin ich für einen biertechnischen Staatsvertrag zwischen Franken (wer auch immer da als Unterzeichner tätig werden soll! Ich würd’s ja machen!) und Bayern. Denn ich muss mich schon wieder aufregen … Aber darüber schreibe ich morgen. Außer beim Fußball heute Abend tut sich was Weltbewegendes …

 

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