Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Zum Löwenbräu/Neuhaus a.d. Aisch: Vollbier (Nr. 1263)

So, jetzt sitze ich tatsächlich zum eintausendzweihundertachtzehnten Mal an meinem Rechner, schreibe über das eintausendzweihundertdreiundsechzigste Bier und frage mich tatsächlich mal: Was ist so toll an der Bierregion Franken, dass es sich lohnt immer noch jeden Tag weiter darüber zu schreiben?

Persönlich würde ich wohl sagen, dass die Bierregion Franken vier Dinge ausmachen: Da ist erstens die schiere Biervielfalt. Nirgendwo gibt es so viele unterschiedliche Biere wie hier! Aber was nützt Vielfalt ohne Charme? Wie gut, dass wir hier zweitens so viele urigen Originale haben: diese ganz traditionellen Gastwirtschaften mit ihren polierten Holztischen mit maximal Minimaldekoration. Wer braucht schon Tischdecken? Die stören doch eh nur beim Schafkopfkarten! Aber damit nicht genug, ist es auch faszinierend zu sehen, wie sich drittens jenseits der urigen Traditionalität eine junge, freche Bierszene entwickelt, zum größten Teil innerhalb, aber auch mal jenseits des Reinheitsgebots braut, was geht. Was sich da entwickelt, braucht den Vergleich zu anderen Bier-Hotspots nicht zu scheuen.

Löwenbräu 1

Am Wichtigsten ist aber viertens die allgemein hohe Qualität der Biere. Klar findet man auch in Franken “a reudiga Süd’n”, wie man bei uns sagen würde, aber generell ist man beim Bierkauf auf der sicheren Seite. Man hat halt wahnsinnig viele grundsolide, gute Biere. Wie zum Beispiel das Helle Vollbier vom Löwenbräu aus Neuhaus an der Aisch. Ein feines, hellgelb-goldenes Bier mit geschmeidigen 4,7 %. Also fast schon ein “Leichtbier” würden meine Freunde jetzt mit Hinblick darauf sagen, dass sich von so einem Bier am Ende des Tages (oder eher des Abends) eines mehr trinken ließe. Für ein Helles riecht es fast schon erstaunlich fein gehopft. Geschmacklich hat man erst mal einen leichten blumigen Hopfeneindruck. Die Homepage der Löwenbräu schreibt da unter anderem etwas von Geranien. Meinetwegen. Dann baut sich immer mehr bierige Würze auf, aber immer mit einer netten Spur Hopfenaroma darüber und unterschwelliger Süße darunter. Nach hinten raus nimmt dann auch die Herbe deutlicher zu, bleibt aber im süffigen Rahmen. Das ist so gesehen weder outstanding noch extravagant. Das ist ein gut würziges und angenehm gehopftes Helles. Nicht mehr und nicht weniger. Sowas findet sich natürlich auch außerhalb Frankens. Aber nicht in so großer Zahl. Vielen Touristen ist das klar. Viele Einheimische nehmen es dafür einfach als gottgegeben hin.

Löwenbräu 2

Ich glaube, genau das ist der Grund, warum ich weiterhin jeden Tag dasitze und ein neues Bier beschreibe. Wäre doch schade, wenn Marktbereinigung und Brauereisterben aus Franken eine Gegend wie jede andere machen würden …

P.S.: Ich will ja nicht so tun, als wäre ich der einzige, der sich in Sachen Bier & Franken einsetzt. Aber von Frankens Bier- und Brauereivielfalt künden natürlich noch mehr. Deshalb empfehle ich gerne mal die Kollegen Frank Wetzel von der Bierregion Franken, Elmar Göller und seine Seite braufranken.de. Und natürlich auch den franconian beer guide Fred Waltmann. Und natürlich gibt es auch noch viele andere, die ich gar nicht alle auflisten könnte.

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